Markus Urzinger

ISO zert. Sachverständiger
Paarweg 5
D-86558 Weichenried


Fon:   08443-571

Mobil:  0151-5631-4437

 

markus.urzinger@pfaffenhofen.de

Flöhe, Siphonaptera

Floh in Angriffsstellung, man erkennt die langen hinteren Sprungbeine

Lebensweise:

Der wissenschaftliche Name "Siphonaptera" bedeutet sinngemäß: Rüssel ohne Flügel, und sagt schon einiges über die Lebensweise aus. Flöhe können nicht fliegen!

Flöhe leben als Blutsauger von Menschen, Säugetieren und Vögeln. Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Flöhe, die sich jeweils mehr oder weniger auf ein Wirtstier spezialisiert haben. Wenn der Hunger groß genug ist, werden aber auch andere Wirtstiere befallen. In Wohnungen sind Vogel-, Katzen- und Hundeflöhe am häufigsten vertreten. Der Menschenfloh ist in unseren Breiten eher selten zu finden.

Flöhe sind in der Regel 1-3mm lang. Größter Floh ist der Maulwurffloh mit bis zu 6 mm. Auch beim Maulwurffloh ist kaum mit Auftreten in Wohungen zu rechnen.

Flöhe werden über ein Jahr alt. Die Weibchen legen täglich bis zu 25 Eier ab. Die Entwicklung vom Ei über die Larve und Puppe bis zum fertigen Floh dauert etwa 3-4 Wochen. Durch die hohe Vermehrungsrate und kurze Entwicklungszeit können Flöhe schnell zu einer Massenplage werden. Die Eier werden an den Aufenthaltsorten der Wirte abgelegt (z.B. Schlaf und Nistplätze). Dort entwickeln sich auch die madenförmigen Flohlarven. Sie fressen trockene Stoffe tierischer Herkunft, vor allem aber den Kot der erwachsenen Flöhe der nach einer Blutmahlzeit ausgeschieden wird. Man findet sie in Fußbodenritzen, unter Dielen, Matten, Teppichen sowie Polstermöbeln und Betten. Die fertigen Flöhe schlüpfen teilweise erst aus der Puppe, wenn eine Erschütterung oder ein Geruch einen Wirt ankündigt, der dann sofort angesprungen wird. Von verlassenen Nist- oder Schlafplätzen können manchmal massenhaft Flöhe auf der Suche nach Nahrung in Wohnungen einwandern oder noch nach Monaten ausschlüpfen, und zur Plage werden.

 

Schäden:

Juckende Stiche, die zum Teil erst nach 2 Wochen verheilen und oft in Reihen angelegt sind. Die Stiche können auch allergische Reaktionen auslösen. Flöhe sind beim Stechen sehr nervös und wechseln die Stelle sofort wenn sie gestört werden (z.B. durch eine Bewegung oder Zucken des Opfers). Stiche sind daher oft in Reihen oder Haufen angelegt sind. Das Gleiche gilt übrigens auch für Bettwanzen.

Interessanterweise gibt es viele Ärzte die eine Artbestimmung anhand der Stiche vornehmen können. Ich selbst kann das, trotz jahrelanger Erfahrung, nicht. Den einzigen Insektenstich, den ich eindeutig einer Art zuordnen kann ist der Stich von Gnitzen. Aber die Stiche von Wanzen, Flöhen, Mücken und anderen Insekten sehen sehr ähnlich aus, und jeder Mensch reagiert anders auf die verschiedenen Insektenstiche, so dass eine genaue Diagnose nur anhand der Stiche meines Erachtens nicht möglich ist.

Flöhe können mit dem Stich auch  Krankheitserreger übertragen (z.B. Pest, Bandwürmer).



Bekämpfung:

Man kann 2-3 Befallsszenarien unterscheiden:

1. Starker Befall, der Befallsherd liegt in den Wohnräumen.

2. Geringer Befall, Einschleppung von einzelnen Flöhen in die Wohnräume durch Bewohner oder Haustiere, eine Vermehrung der Flöhe in der Wohnung findet nicht statt.

3. Unklarer Befall: Bewohner klagen über Stiche, eine Ursache kann nicht gefunden werden, es wurden keine Flöhe gesehen oder nachgewiesen.

 

Die Befallsstärke wird häufig überschätzt. Es gilt dabei folgendes zu bedenken: Ein Floh kann einige Wochen bis Monate in der Wohnung überleben, er sticht mehrmals pro Nacht, die Stiche verursachen über Wochen Bescherden. Schon ein einzelner eingeschleppter Floh kann also einiges an Ungemach verursachen, ist aber zugleich kaum nachzuweisen.

 

Es ist auch nicht ungewöhnlich, dass nur einer der Bewohner, vorzugsweise die Frau des Hauses gestochen wird, die anderen aber völlig unbehelligt bleiben.

 

Die weitere Vorgehensweise ist für jeden dieser Fälle unterschiedlich. Schon aus diesem Grund ist bei Flohbefall die genaue Artbestimmung sehr wichtig für den Bekämpfungserfolg. Die genaue Kenntnis der Flohart kann Hinweise auf den Befallsherd geben. Liegt z.B. Befall mit Vogelflöhen vor, der Befallsherd ist aber ein Vogelnest im Garten, so wird eine Flohbekämpfung in den Wohnräumen keinen Erfolg bringen.

Zur Massenvermehrung innerhalb einer Wohnung sind eigentlich nur Katzen- und Hundeflöhe fähig. Igel- und Vogelflöhe stechen den Menschen zwar, können sich aber unter den Bedingungen wie sie in Wohnungen vorliegen nicht vermehren.

 

Ausgiebiges Staubsaugen der Böden aber auch der Polster und Möbel verbessert zum einen die Wirksamkeit einer eventuell folgenden Sprühbehandlung, zum anderen können die Flöhe , wenn nur geringer Befall vorliegt auf diese Art auch beseitigt werden.

Versiegelung von Ritzen und Spalten, regelmäßige Grundreinigung von Schlafplätzen der Haustiere.

Bei Vögeln oder Nagern als Wirtstieren gegebenenfalls Vergrämung oder Bekämpfung der Primärwirte.

Vogelhäuschen nach dem Ausflug der Jungvögel beseitigen.

Bei freilaufenden Hunden und Katzen mit Flohhalsband oder geeigneter Fellbehandlung vorbeugen.

Schlaf und Lagerstätten mit Spritzmittel behandeln.

Es sollte normalerweise nach 3-4 Wochen immer eine zyklusgerechte Zweitbehandlungerfolgen.

 

Befallenes Inventar kann auch durch eine Temperaturbehandlung entwest werden. Temperaturen über 60oC oder unter –25oC für 6 Stunden töten Eier, Larven, Puppen und adulte Flöhe zuverlässig ab.

In der Tierhaltung Bekämpfung mit Stäubemitteln auf Basis von Diatomeenerde.

 

Selbstvernebler/Fogger:

Im Tierbedarfshandel aber auch über Tierärzte werden häufig sogenannte Fogger oder Selbstvernebler, vereinfacht gesagt selbsttätige Sprühdosen zur Flohbekämpfung verkauft. 

Viele Präparate enthalten lediglich Methopren als Wirkstoff. Dieser wirkt nur auf die Larven, nicht auf die adulten Flöhe. Es gibt auch stärkere Formulierungen mit gut wirksamen Insektiziden. Ich habe dennoch Bedenken gegen dieses Verfahren. Hauptnachteil ist, dass durch die Anwendung als Nebel alle Oberflächen im Raum kontaminiert werden, eine gezielte kontrollierte Ausbringung ist im Nebelverfahren nicht möglich.

 

Die Flohbekämpfung in der gewerblichen Schädlingsbekämpfung erfolgt aus diesem Grund in der Regel im Sprühverfahren mit Pyrethroiden. Um wenigsten schädlich, aber auch am wenigsten wirksam sind Präparate auf Basis von Seife (Tensiden) wie z.B Neudorf Antifloh. Man könnte grundsätzlich auch Wasser mit 1% Schmierseife als Spritzmittel verwenden.

 

Flohfallen:

Flohfallen sind nach meiner Erfahrung weder geeignet einen Befall sicher nachzuweisen, noch als wirksames Bekämpfungsinstrument.

Liegt starker Befall vor, und Flöhe springen einen schon beim Betreten des Raums an, kann man mit der Flohfalle schon ein paar Tiere wegfangen, aber ein Befallsnachweis mittels Falle ist hier ohnehin überflüssig, und die Zahl der mit der Falle gefangen Flöhe ist für die Bekämpfung nicht relevant. Liegt nur ein Verdacht auf Flöhe vor, der Bewohner hat zwar Stiche, aber es konnte bei visueller Befallserhebung kein Schadorganismus dingfest gemacht werden, wird einem auch die Flohfalle nicht weiterhelfen.

Die Lockwirkung ist, gelinde gesagt, sehr gering. Flöhe erkennen ihre Beute nicht nur Wärme sondern auch am CO2, Feuchte, Bewegungen und Schweißgeruch. Die Fallen haben lediglich eine kleine Glühbirne über einer Leimfläche die ein Beutetier imitieren soll. Wenn das funktionieren würde, müsste man die Flöhe auch an anderen Wärmequellen im Raum, wie Elektrogeräten, Heizungen, Lichtquellen usw. finden. Das ist aber nicht der Fall. Flöhe sind keine Schaben!

Flohfallen werden immer wieder eingesetzt oder verkauft, weil manche Kunden es wünschen, weil es Umsatz bringt, weil es nichts schadet und kein Risiko birgt. Nutzen für den Kunden gibt es nicht.



Vogelfloh, Ceratophyllus gallinae

Floharten können unter dem Mikroskop anhand der Borsten am Kopf bestimmt werden. Vogelflöhe z.B. haben nur einen Kopfkamm 22-32 Stacheln am ersten Brustring.

Vogelhäuschen mit Flohbefall

Vogelhäuschen - Befallsherde in unmittelbarér Nähe zum Menschen- sind eine gängige aber oft unbeachtete Quelle für Flohbefall.

Es reicht unter so einem Häuschen durchzugehen um von einem Floh angesprungen zu werden und diesen dann in die Wohnräume einzuschleppen. In einem Voglehaus können sich hunderte Flöhe entwicklen. 

 

Fallbeispiel aus der Praxis: Über den Mülltonnen eines Wohnhauses befindet sich ein Starenkasten mit Flohbefall. Flöhe sitzen ständig aussen auf dem Vogelhäuschen und am umgebenden Mauerwerk und warten auf Beute. Die Stelle wird mehrmals täglich von den Bewohner aufgesucht, diese klappern dabei auch noch mit den Mülltonnendeckeln ...

Floh im Nistmaterial
Igelfloh, Archeopsylla erinacei, Hinterleib fehlt. Nur 2-zackige Kämme an Kopf und Brustschild.
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Markus Urzinger