Markus Urzinger

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Kleidermotten, Tineola bisselliella (Hummel, 1823)

Kleidermotte

Lebensweise:

Die Kleidermotten sind Schmetterlinge und treten als Materialschädlinge auf. Die ausgewachsenen Falter sind selbst nicht schädlich und nehmen während ihrer kurzen Lebensdauer von einigen Wochen keine Nahrung auf.

Die eigentlichen Schädlinge sind die Larven (= Raupen), die als Nahrung trockenes, tierisches Eiweiß verwerten. Besonders befallen werden Wolle, Seide, Federn und Haare, sowie aus diesen Stoffen hergestellte Waren wie z.B. Teppiche, Polstermöbel mit Rosshaarfüllung, Pelze, Wollkleidung und Dämmstoffe mit Wollanteil.



Raupe und Kokon auf einem Teppich

Die Kleidermotte ist nach neueren genetischen Untersuchungen in Nordafrika beheimatet und schon vor langer Zeit nach Europa eingeschleppt worden. Die Kleidermotte ist  an den Menschen gebunden, ein Überwintern bei uns im Freien scheint nicht möglich zu sein. Mögölicherweise kommen die Kleidermoten auch in Vogelnester oder Nisthöhlen von Kleinsäugern vor. Die Kleidermotten mögen es gerne dunkel und ein bisschen muffig.

Die gesamte Entwicklungsdauer vom Ei bis zum fertigen Falter beträgt 3 bis 9 Monate. Die Weibchen locken die Männchen mittels eines Duftstoffs an. Nach der Paarung erfolgt die Eiablage direkt an die spätere Nahrung der Larven. Ein Weibchen legt bis zu 150 Eier an verschiedenen Stellen ab. Nach 14 Tagen, bei niedrigen Temperaturen auch erst nach Monaten, schlüpfen die Raupen und beginnen ihre Fraßtätigkeit. Nachdem diese ihr Wachstum beendet haben, verpuppen sie sich. Teilweise verlassen die Raupen das Nahrungssubstrat, um einen geeigneten Verpuppungsort (z.B. Ritzen und Spalten, Verpackungen, Möbel oder andere geschützte Plätze im Umkreis von einigen Metern vom Fraßplatz) zu finden. Dort spinnen sich die Raupen in einen Kokon ein. Nach wenigen Tagen bis Monaten schlüpfen die fertigen Falter.



Kokon aus Textilfasern, Spinnfäden und mit Kotballen behaftet

Befallsursachen:

Vor allem durch Einschleppung mit befallener Ware oder Möbeln als Ei, Larve, Puppe oder Falter.

 

Schäden:

Substanz- und Qualitätsverlust an befallener Ware. Pelze werden bis auf das Leder abgefressen, Teppiche oft bis zum Grundgewebe.

Verunreinigung von Waren und Verarbeitungsmaschinen mit Kot, Gespinsten, Häuten und Puppen.

Raupe der Kleidermotte

Bekämpfung:

- Genaue Inspektion bei Wareneinlagerung: Sind fliegende Motten zu sehen? Stichproben bei den Problemwaren. Verpackungen auf Verpuppungen/Gespinste untersuchen.

- Regelmäßige Kontrollen von gelagerter Ware. Kühle, abgeschlossene Lagerung.

- Mittels Pheromonfallen kann der Befall nachgewiesen werden. Sie dienen der Messung der Befallsstärke und Verteilung. Eine wirksame Bekämpfung ist mit diesen Fallen nicht möglich.

- Lavendel ist entgegen der allgemeinen Meinung für Bekämpfung oder Vorbeugung nicht ausreichend. Mottenkugeln, -Papier oder Strips dienen im Wesentlichen der Vorbeugung, sind unter Praxisbedingungen für eine Bekämpfung bei bereits bestehendem Befall oft nicht ausreichend.

- Besonders wichtig ist es, im Befallsbereich Regale bzw. Schränke zu zerlegen und zu reinigen, um alle Larven und Verpuppungen zu zerstören. Vor allem die Puppen sind durch den Kokon gegen die Einwirkung von Insektiziden gut geschützt.

- Insektizide: Die Vernebelung von Insektiziden tötet nur die Falter und eventuell noch die Raupen. Eier und Puppen werden nicht erfasst. Eine Vernebelung hat keine vorbeugende oder anhaltende Wirkung. Die Vernebelung wird als Sofortmaßnahme gegen den akuten Mottenflug durchgeführt und muss unmittelbar erfolgen. Ohne flankierende Maßnahmen ist eine Vernebelung sinnlos.

- Befallene Waren oder Möbel können mit Temperaturen über 45 oC oder unter –25 oC sowie durch Begasung behandelt werden. Dabei werden Eier, Larven, Puppen und Motten sicher abgetötet.



Kokons hinter befallenem Wandteppich
Kokons hinter einer Randleiste

Da sich die Raupen nicht nur an den befallenen Stoffen aufhalten, sondern im Umkreis von einigen Metern alle möglichen Ritzen, Spalten und Löcher zur Verpuppung aufsuchen, ist es für eine erfolgreiche Bekämpfung unerlässlich, diese Verstecke gründlich zu behandeln. Andernfalls schlüpfen von hier über viele Monate hinweg weiterhin Motten aus und können zum erneuten Aufleben des Befalls führen.

Mischdämmstoff aus Flachs und Schafwolle, Befall mit Kleidermotten. Der Hersteller ist pleite.

Sonderfall ökologische Dämmstoffe:

Seit etlichen Jahren wird Schafwolle auch zu ökologischen Dämmstoffen verarbeitet. Der Grundgedanke ist ja nicht schlecht, Wolle, als nachwachsender biologisch abbaubarer Stoff mit guten Dämmeigenschaften. Das Problem liegt aber genau bei dem Punkt „biologisch abbaubar". Wolle besteht aus Keratin, also Eiweiß, und ist viel weniger stabil und hat eine viel höheren Nährwert als Cellulose oder Lignin, wie sie in Dämmstoffen aus Holz oder Pflanzenfasern vorkommen. Die erste Stufe des biologischen Abbaus bei Wolle ist der Fraß durch Motten und verschiedene Käferarten. Diese Insekten sind eigentlich an allen Gebäuden zu finden, und vor allem Dachbereiche lassen sich gegen solch kleine Insekten nicht wirkungsvoll abdichten.

In der Regel wird die Wolle daher mit Flammschutzmitteln, Fungiziden und Insektiziden imprägniert. Wenn dies unterlassen wurde, nicht ordentlich ausgeführt wurde, oder die Imprägnierung durch eindringende Feuchtigkeit ausgewaschen wurde, kommt es dann zum Befall.

Da die Schädlinge in den gedämmten Bereichen gut geschützt sind, können sie sich optimal vermehren. Das Dämmmaterial wird dabei zersetzt und es fallen große Mengen Kot an. In der Folge entstehen Kältebrücken in der Dämmung, Dampfsperren werden perforiert, zusätzliche Feuchtigkeit dringt ein. Es kann durch diese klimatischen Änderungen zu zusätzlichem Befall mit Schimmel, Pilzen, Milben und anderen Insekten kommen. Oft finden sich nach längerem Befall auch verschiedene Schlupfwespenarten ein, welche die Schädlinge parasitieren, aber den Befall niemals ausrotten oder auch nur einigermaßen dezimieren.

Der Befall kann für den Hausbesitzer einen Totalschaden, für den Hersteller von solchem Material den Konkurs bedeuten.

Oft bleibt als einzig sinnvolle Sanierung, die mangelhaften Dämmstoffe auszubauen, in dem entkernten Bereich eine sehr gründliche Reinigung und Bekämpfung durchzuführen und dann das Gebäude wieder zusammenzusetzen.

Eine Bekämpfung z.B. Totalbegasung des Gebäudes ohne Beseitigung der Wolle bringt nur kurzfristige Erleichterung.



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