Markus Urzinger

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Rotrückige Hausameise, Lasius brunneus, (Latreille 1798)

Aussehen:

Die Königinnen sind bis zu 10 mm groß, braun, die Flügel sind braun getönt. Beine und Fühlerschäfte sind gelbbraun.

Die Männchen sind bis zu 5 mm groß, schwarz , mit braunen Beinen. Die Flügel sind ebenfalls braun getönt.

Die ungeflügelten Arbeiterinnen sind kleiner, 2,5 bis 4 mm, Hinterleib und Kopf sind braun, Brust, Fühler, Kieferzangen und Beine gelbbraun gefärbt. Petiolus klein und schmal, Gaster 5-gliedrig.

Fühlerschäfte und Schienen schwach und anliegend behaart

 

Lebensweise:

Die rotrückige Hausameise ist in unseren Breiten heimisch und kann vom Freien in Gebäude einwandern oder auch Nester anlegen. In der Natur lebt sie von Honigtau und Blattlauszucht. Vor allem Laubbaumbestände begünstigen die Ansiedlung. Sie legt Nester unter Steinen und Brettern in der Erde oder in morschem Holz an.

In befallenen Gebäuden ist sie ganzjährig anzutreffen. Das Gebäude und die Bewohner werden von den Ameisen genau beobachtet, und alle strategisch wichtigen Stellen mit Wächtern bzw. Kundschaftern besetzt. Die Nester werden an versteckten Stellen wie z.B. in Tür- und Fensterstöcken, Fehlböden, Fußbodenheizungen angelegt. Verdeckte Laufwege durchziehen das ganze Gebäude. Normalerweise gibt es auch immer eine Verbindung nach Außen. Bei Störung können Nester schnell verlegt werden. Bei Störungen durch Reinigungsarbeiten, Insektenspray u.ä. meiden die Tiere diese Bereiche und suchen sich neue Wege. Diese Ameisen sind sehr scheu und vermeiden es vom Menschen gesehen zu werden. Oft bemerkt man den Befall erst im Mai bis Juni, wenn aus den Nestern die geflügelten Geschlechtstiere ausfliegen und sich an den Fenstern sammeln. Manchmal findet man auch an Spalten von Türstöcken oder Randleisten Genagsel oder es tritt im Deckenbereich aus. Dieses Material besteht aus Holzstückchen, zernagten Dämmaterial, Insektenbruchstücken, Puppenhäuten und anderem Abfall den die Ameisen aus dem Nest abtransportieren. (Mülldeponie des Ameisenvolkes. Dieses "Bohrmehl wird häufig als Bohrmehl von Holzwürmern fehlinterpretiert. Das Material ist allerdings viel gröber und kann unter dem Mikroskop leicht unterschieden werden. Vorräte in der Küche werden nur gelegentlich befallen. Ein Volk kann mehrere Jahre alt werden, und unter für die Ameisen günstigen Bedingungen kann man auch mehrere Nester in einem Gebäude finden.

Moderne Gebäude in Ständerbauweise, Holzfertighäuser und Fassadendämmungen, egal aus welchem Material, stellen für die Ameisen einen idealen Lebensraum dar. Perfekt wird es wenn auch noch Feuchtigkeit dazukommt.

Nester in der Fassadendämmung können über die Jahre viele Quadratmeter groß werden.

Es wäre technisch gesehen kein Problem Dämmmaterial insektizid auszurüsten. Derzeit wird das aber nur bei Wolle oder Holz gemacht. Es ist schon richtig, dass Styropor und Glaswolle keine Nahrung für Tiere darstellen, aber die Ameisen bauen das Material systematisch ab um eine Nesthöhle anzulegen oder zu erweitern.

 

Schäden:

- Während der Schwarmzeit (Mai-August, in Innenbereichen auch schon früher) Belästigung durch massives Auftreten von geflügelten Geschlechtstieren, die sich an Fenstern sammeln (Fliegende Ameisen). Erleichterung kann das Öffnen der betroffenen Fenster bringen, da die Tiere hinaus wollen und in der Regel auch nicht mehr zurückkommen.

- Sekundärer Holzschädling. Die Nester werden gerne in Holz angelegt. In der Regel wird dafür von Feuchte und Pilzbefall vorgeschädigtes Holz bevorzugt. Dabei wird das befallene Holz entlang der Jahresringe ausgehöhlt. Möglicherweise tragen die Ameisen auch zur weiteren Ausbreitung von holzzerstörenden Pilzen durch Verschleppung von Sporen und Mycelfäden bei. Es ist auch nicht geklärt inwieweit Ameisen Pilze als Nahrung verwerten. Auch Isolierungsmaterial und in geringerem Umfang Mörtel wird beim Nestbau abgetragen.

- Bei Befall mit Lasius brunneus sollte man immer die Möglichkeit eines Feuchte- oder Wasserschadens in Betracht ziehen.

 

Bekämpfung:

- Fraßköderverfahren:

Am besten wirksam ist Nexalotte Ameisenmittel auf Zuckerbasis mit Fipronil als Wirkstoff. Wichtig ist die genaue Untersuchung aller Räume im Gebäude, vor allem in den Ecken und Winkeln und unter Möbeln, auf tote oder lebende Ameisen oder Genagsel.

In allen Räumen in denen Ameisen oder Spuren gefunden wurden, werden systematisch alle Ritzen und Spalten im Bodenbereich sowie die Türstöcke und andere Hohlräume mit dem Ködergranulat belegt. Außen entlang der Fassade wird ein Sperrgürtel rund ums Haus gelegt. Die Ameisen nehmen das Mittel auf und tragen es ins Nest ein. Das das gesamte Volk wird dadurch abgetötet. Neuere Unteruschungen haben gezeigt bei Fraßköder nur die Arbeitrinnen abtöten. Die Arbeiterinnen füttern sich gegenseitig aus dem Magen. Larven und die Königin werden aus speziellen Drüsen gefüttert und erhalten gefilterte Nahrung. Die Köderbekämpfung wirkt dennoch, denn wenn genügend Arbeiterinnen ausfallen bricht der ganze Staat zusammen, die Königin und Brut verhungern und Infektionen erfassen die Restpopulation.

Nach meiner Erfahrung ist Fipronil der beste Wirkstoff für Insektenköder. Die Wirkung tritt mit etwas Verzögerung ein. Fipronil hat keine abstoßende Wirkung auf Insekten sondern wird bereitwillig angenommen. Ob die Wirkung jetzt tatsächlich auf der oralen Köderannahme beruht oder ob es nicht doch primär als Kontaktgift wirkt ist aus meiner Sicht unklar. Aufgrund von verschiedenen Beobachtungen tendiere ich eher zu letzterem.

Der Nachweis , dass die Bekämpfung erfolgreich war ist eigentlich erst erbracht, wenn im nächsten Jahr keine (geflügelten) Ameisen mehr auftreten.

 

Statt Ködergranulat kann auch Ködergel verwendet werden. Die Kosten sind natürlich deutlich höher, und es gibt eine ganze Reihe Gele am Markt, die nicht gut angenommen werden.

Die Durchführung geht Prinzip wie oben. Bestes Gel zurzeit am Markt scheint das Maxforce Quantum Gel zu sein. Ich habe allerdings keine eigenen Erfahrungen damit, weder bei Lasius noch sonst. Ich verwende immer wie oben beschrieben das Nexalotte-Mittel.

 

folgende Verfahren kommen ebenfalls zum Einsatz:

- Nestbekämpfung: Man findet die Nester und sprüht sie direkt mit einem beliebigen Insektenspray ein. Das klingt leicher als es ist. Das Nest lässt sich meist nicht ohne größere Bauteilöffnungen (Decken, Böden usw.) finden. Es kann auch passieren, das man trotz erheblicher baulicher Maßnhamen gar kein Nest findet.  Der Aufwand und Schaden ist viel höher als beim Köderverfahren.

 

- Stäubeverfahren:

alle Hohlräume werden mit einem insektiziden Puder behandelt.

Völlig ungeeignet sind wirkstofffreie Puder wie z.B. Silicagel, Diatomeenerde. Damit lassen sich maximal Barrieren legen, eine Nestbekämpfung ist nicht möglich.

Aber auch wirkstoffhaltige Puder wie Ficam D dürften bei Ameisen nicht so gut wirksam sein wie bei Wespen. Denn im Gegensatz zu Wespen haben Ameisen kein festgelegtes Einflugloch und können behandelte Bereiche schlichtweg meiden. Man müsste das Nest schon genau lokalisieren können und das Mittel dann direkt ins Nest einbringen (s.o.). Von Stäubebehandlungen in Wohräumen rate ich ohnhin grundsätzlich ab.

 

 

- Sprühbehandlung von Ritzen und Laufwegen mit Insektizden: Die Ameisen meiden die behandelten Bereiche. Diese Maßnahme kann örtlich Erleichterung bringen, das Nest wird dadurch nicht bekämpft.

 

- Eine Bekämpfung von Ameisen im Garten ist nicht unbedingt nötig, kann aber durchaus sinnvoll sein. Dabei ist aber darauf zu achten nur Lasius brunneus Nester zu bekämpfen und keine anderen Arten. Die Bekämpfung von Ameisen auf der Terrasse und unmittelbar am Haus sollte aber unbedingt erfolgen (siehe auch Fassadendämmung).

 

- ätherische Öle, Lavendel Backpulver, Ameisen zerquetschen oder aufsaugen, Zimt etc. Man kann Ameisen damit sicher belästigen oder behindern (Sperren legen). Wem das reicht, warum nicht.

 

- Ultraschall, bestimmte Pflanzen zur Abwehr

Glaube versetzt bekanntlich Berge, vielleicht noch eine Kerze abbrennen, ein Huhn opfern...

Detailaufnahme Königin mit Flügeln
Ameisenstraße entlang einer Dachverblechung (Camponotus)
Genagsel tritt am First einer Holzhütte aus
Genagsel quillt aus der Deckenverkleidung
Genagsel im Riß eines Holzbalkens. Solche Risse werden von den Ameisen als Laufwege benutzt.
Genagsel fällt aus der Holzdecke und sammelt sich am Boden darunter. Das Material besteht aus Holzspänen und Mehl, Insektenbruchstücken, Puppenhäuten und anderem Abfall den die Ameisen aus dem Nest abtransportieren.
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